Interview mit Martin
F: Wie bist Du zu dieser außergewöhnlichen Sportart gekommen?
Im Prinzip mache ich seit
meiner Kindheit Ultratriathlon. Angefangen habe ich mit Laufen im Kindergarten in Frankfurt
mit drei - vier Jahren, schon dort sind wir immer im Hof um die Wette Runden gelaufen, und auf
der Straße habe ich ständig stundenlang gespielt, ich bin also der klassische "Sportler
von der Straße".
Während meiner schulischen Laufbahn wurde mein sportliches Interesse weiter gefördert.
Später habe ich dann Sportwissenschaften an der Uni Frankfurt studiert.
F: Du lebst seit Deiner Geburt in Frankfurt, warum startest Du für Österreich?
Mein Vater war Österreicher,
darum bin ich als Österreicher in Frankfurt geboren.
Für mich gab es nie einen Grund daran etwas zu ändern.
F: Also, wie ging das dann weiter, wie kamst Du gerade zu diesem Sport?
Nachdem
ich im Triathlon jahrelang sporadisch bei kürzeren Wettkämpfen gestartet bin, wollte ich Ende der 90´er
schließlich noch einmal Spitzensport betreiben.
Ich wusste bereits, dass es auch längere Rennen gibt, in denen notfalls auch mal das Rad
gewechselt oder in Ruhe auf´s Klo gegangen werden kann. Das kam mir entgegen, da mir
Stress und Hektik gar nicht liegen. Außerdem machte mir das Schwimmen mit
Hunderten anderer und den damit verbundenen Schlägen und Tritten überhaupt keinen Spaß.
So meldete ich mich 1999 zu meinem ersten großen Wettkampf einem Triple
in Neulengbach (Österreich) an. Auf diesem und dem folgenden Wettkampf in Lensahn
lernte ich auf die harte Tour die wichtigsten Regeln des Ultratriathlon.
Danach - mit der grundlegendsten Erfahrung ausgerüstet holte ich noch im selben
Jahr bei der WM beim Double in Panevezys
(Litauen) die Bronzemedallie. Seitdem bin ich Ultratriathlet.
F: Warum machen relativ wenige Menschen Ultratriathlon?
Die meisten haben Respekt vor der langen Strecke.
Sie denken wenn sie nach einem "Ironman"
schon so kaputt sind, wie sollten sie es schaffen noch weiter zu machen?
Natürlich haben sie recht. Wenn sie genauso schwimmen, radfahren, laufen würden
wie bei einem "Ironman" wäre es nicht zu schaffen:
So wie ein 100 m Läufer in seinem Tempo keinen Marathon laufen kann, so kann man eben
auch nicht im "Ironman-Tempo" einen Ultra machen. Es gilt: Je länger die Strecke,
je langsamer das Tempo.
Und zwar von Anfang an. Wenn man es richtig angeht, kann man es souverän schaffen.
F: Muss man dafür nicht
eine Schraube locker haben?
Nein, gar nicht!!!
Ultratriathlon ist ein gesundheitsorientierter Leistungssport
auf hohem Niveau.
F: Wie viel Zeit benötigst Du für das Training?
Ich führe keine genauen Statistiken. In der 1. Trainingsphase ab Januar-Februar trainiere
ich ca. 15 - 25 Stunden in der Woche, zum einen Skilanglauf und zum anderen im Fitnesscenter
und zwar in Frankfurts coolstem Fitnesscenter, dem "Body Life". Zwischen Dezember und Februar
fahre ich 1 - 2 mal weg ins Warme, das sind
also noch mal 2 Wochen Intensiv-Training im Winter. Während Wettkampfvorbereitungsphasen
trainiere
ich sicherlich auch mal bis 40 Stunden . Ich trainiere eher langsam und
schwimme verhältnismäßig wenig.
F:
Hast Du bei solchen Trainingsumfängen überhaupt noch Zeit für Privatleben?
Zum Glück habe ich eine sehr tolerante Lebenspartnerin, die mich grundsätzlich
in meinen Zielen bestärkt und auch ganz praktisch unterstützt.
Ich will aber nicht bestreiten, dass es manchmal schwierig
ist, neben dem Training und meiner Arbeit
auch noch Zeit für Familie und Freunde zu finden. Ich könnte natürlich einen
32 Stunden Tag gebrauchen. Aber: Wer könnte das nicht?
F: Hätte man denn mit Deinem Training eine Chance bei einem "Ironman"?
Für ein schnelles Ironmanrennen ist das Training eher ungeeignet. Das heißt,
um weit vorne zu liegen. Ins Ziel würde man aber in jedem Fall auch kommen.
Und dabei vergleichsweise gut aussehen. Am Abend vieleicht noch ausgehen...und so.
F: Gibt es außer einem guten Trainingszustand Faktoren, die für einen solchen
Wettkampf wichtig sind?
Die richtige bzw. ausreichende Ernährung und, je länger je wichtiger, die Betreuung.
Außerdem die Fähigkeit, die Sache locker zu sehen und die eigenen Grenzen
richtig einzuschätzen also ein gutes Gespür für den eigenen Körper.
An moderne Technik glaube ich nicht. Auch die Leistungsdiagnostik
liefert meines Erachtens nicht die Daten, die für ein erfolgreiches Rennen
im Langzeitausdauerbereich entscheidend sind.
F: Was wertest Du selber als Deine größten Erfolge?
Alle, jeder einzelne Wettkampf, den ich beende, ist ein einzigartiger
Erfolg. Natürlich bin ich auf Plazierungen stolz, besonders bei Meisterschaften.
Also, die Bronze Medaille beim 10-fachen ist schon was Besonderes.
Stolz bin ich auch auf meine Weltcupsiege 2002 und 2003 in Folge.
F: Welche Ziele verfolgst Du in der nächsten Zeit?
Also, da wäre Platz 1 auf der Bestenliste. Und mal eine Silber
oder Goldmedallie bei Weltmeisterschaften. Dann wär da noch meine Wohnung, die müsst ich mal
so richtig entrümpeln...
F: Wie lange wirst Du noch Ultratriathlon machen?
Ich weiß nicht, so lange ich eben Lust habe. Vom Körperlichen her glaube ich an mich selbst
und bin überzeugt, dass ich auch mit 100 Jahren noch Sport mache. Natürlich etwas langsamer,
eben frei nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.